Beruf Tierarzt, www.beruftierarzt.de

Interview

 Interview mit

Dr. Gerhard Loesenbeck

Leiter der Pathologie der Laboklin GmbH & Co.KG in Bad Kissingen

Warum bist du Tierarzt geworden?

Als Jugendlicher habe ich angefangen zu reiten. Dabei hat mir der Umgang nicht nur mit den Pferden, sondern auch mit den anderen Tieren in den Reitställen viel Spaß gemacht. Meinen großen Kindheitswunsch, nämlich einen eigenen Hund, konnte ich mir dann aber erst als Tierarzt verwirklichen.

Was macht dir an deinem Beruf besonderen Spaß?

Wir untersuchen im Labor so ziemlich alles, was man von Tieren untersuchen kann. Ich untersuche als Pathologe vor allem Gewebeproben von Tieren, die noch leben. Die einsendenden Tierärzte schicken vielfach Proben von Fällen, die für sie etwas Außergewöhnliches sind. Oft kommen wir zu spektakulären Diagnosen, die manchmal dann auch das Leben von Tieren retten können. Das ist toll!

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Wir fangen morgens zwischen 8 und 9 Uhr an und sind telefonisch bis 18 Uhr erreichbar. Meistens sind morgens ein bis zwei Stunden Zeit, um E-Mails zu beantworten, etwas zu planen oder einen Vortrag/eine Publikation vorzubereiten. Im Laufe des Vormittags fange ich dann an, Gewebeproben am Mikroskop zu untersuchen und die Berichte dazu zu schreiben.

Was ist das Besondere an einer Labortätigkeit?

Dadurch, dass wir fast alle Arten von Proben untersuchen, haben wir ein enormes Spektrum an diagnostischen Möglichkeiten. Außerdem bringen wir ständig die Befunde von vielen Fachabteilungen (Pathologie, Mikrobiologie, Parasitologie, klinische Chemie/Blutlabor, Molekularbiologie) unter einen Hut. Dadurch bekommt man im Laufe der Jahre ein sehr breites Wissen über viele Krankheiten.

Wann ist es auch mal schwierig?

Wenn sich die Erwartungen an die Untersuchung nicht erfüllen, kann das schon mal zu Ärger und Diskussionen mit den Kollegen führen. Obwohl wir seltener mit den Patientenbesitzern sprechen, kommt auch das vor. Bei entsprechend schlimmen Diagnosen kann es dann auch zu sehr emotionalen Telefonaten kommen oder die in der Region lebenden Personen stehen dann auf einmal sogar persönlich im Büro.

Hast du genügend Freizeit für Familie, Freunde, Hobby und Sport?

Davon hat branchenübergreifend niemand in anspruchsvoller Tätigkeit genug. Es ist einfach so, dass man im Berufsleben in verschiedenste Bereiche hineinwächst und dann auch über das Tagesgeschäft hinaus Aufgaben übernimmt und wenn es nur die unbedingt notwendige Fortbildungen sind. Jeder muss da für sich sehen, wo die eigenen Grenzen liegen, damit die »work-life-balance« gewahrt bleibt.

Wie hast du dein Studium in Erinnerung?

Die Prüfungszeiten waren natürlich anstrengend, der Spaß hat aber doch deutlich überwogen. Nie mehr im Leben hat man so engen und guten Kontakt zu so vielen Gleichgesinnten.

Wie steht es mit dem Verdienst, bist du zufrieden?

Wir Tierärzte müssen nach dem Studium noch eine ziemlich lange Zeit die eigentliche Berufstätigkeit erlernen, am besten im Rahmen einer Fachtierarztausbildung bzw. durch die moderne europäische Variante (sogenanntes Board-Examen in einem »europäischen College«). Wer diese Zeit mit ziemlich wenig Geld durchsteht, ist dann normalerweise ein gefragter Spezialist, der auch gut bezahlt wird und sich sogar den Arbeitsplatz aussuchen kann.

Was rätst du jungen Menschen, die Tierarzt werden möchten?

Wer es wirklich will, sollte es durchziehen und es bei Pro­blemen mit einem Studienplatz ggf. über das Ausland versuchen. Es gibt nur wenige Berufe mit einer solchen Bandbreite an Möglichkeiten.