Beruf Tierarzt, www.beruftierarzt.de

Interview

 Interview mit

Dr. Stefan Odenkirchen

Fachtierarzt für Chirurgie und Pferde

Warum bist du Tierarzt geworden?

Von Kindesbeinen an bin ich viel geritten und sah im Beruf des Pferdearztes eine Möglichkeit, meine Begeisterung für die edlen Vierbeiner mit meiner Faszination für die Medizin zu vereinen. Die Option, später als Selbstständiger arbeiten zu können, war ein weiterer Beweggrund.

Wie hast du das Studium in Erinnerung?

Ich habe mein Studium vom ersten Tag an geliebt. Prüfungen sind immer anstrengend, doch das Studium der Tiermedizin ist abwechslungsreich, die Studenten bodenständig, teilweise etwas gewöhnungsbedürftig, aber daher auch besonders interessant. Die Kombination aus praktischen Übungen und theoretischer Wissensvermittlung wird nie langweilig.

Was macht dir an deinem Beruf besonderen Spaß?

Der konsequente diagnostische Überlegungsprozess, den ich anstellen muss, um herauszufinden, was meinem Patienten fehlt. Als Tiermediziner ist man ein medizinischer Detektiv auf der ständigen Suche nach Beweisen für eine Diagnose.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Bei mir in der Praxis fangen wir morgens um 8 Uhr mit einer Dienstbesprechung an, in der Patienten und Fahrrouten verteilt und Problempatienten besprochen werden. Das betrifft sowohl unsere stationär zur Diagnostik und Therapie aufgenommen Patienten, als auch solche, die vor Ort im Stall untersucht und behandelt werden. Nach der etwa zweistündigen Mittagspause wird der Routinebetrieb inklusive Operationen bis ca. 19 Uhr fortgesetzt.

Was fällt dir in Bezug auf deine Arbeit eher schwer und liegt dir nicht so?

Misserfolg ist generell schwierig. Die berufsbedingte Dienstbereitschaft ist ebenfalls mitunter schwierig, es lassen sich jedoch auch zeitgemäße Arbeitszeitmodelle finden und installieren. Manchmal ist auch der Umgang mit den Pferdehaltern nicht leicht. Andererseits ist es in jedem verantwortungsvollen Beruf manchmal schwierig. Das auszuhalten, ist ein Teil des Erfolges.

Hast du genügend Freizeit für Familie, Freunde, Hobby und Sport?

Lehrjahre sind keine Herrenjahre - ein alter, eventuell aber nicht ganz falscher Spruch. Die ersten Berufsjahre verlangen mehr Zeiteinsatz als es später der Fall ist. Zeit für Familie, Freunde, Hobby und Sport hat man nie, außer man nimmt sie sich. Die Work-Life-Balance ist ein Problem, das jede Generation für sich neu definiert. Arbeitet man viel, hat man schnell viel Erfahrung und wird als Kompetenzperson geschätzt. Es ist im Einzelfall zu überprüfen, ob das persönliche Umfeld den Zeitaufwand auffängt oder nicht. Ein guter Lehrmeister, der einen an seiner Erfahrung teilhaben lässt, ist hilfreich, wobei auch ein solcher Lehrmeister in der Regel eine Gegenleistung in Form von Arbeitsentlastung erwartet.

Wie steht es um den Verdienst – bist du zufrieden?

Wenn man sich an Praxen mit korrekter Bezahlung bewirbt, kann man jederzeit vom Gehalt leben. Je mehr Qualifikationen, Erfahrungen und Spezialwissen man sich aneignet, desto gefragter ist man und umso besser wird man bezahlt. In der Selbstständigkeit ist bei gutem betriebswirtschaftlichem Denken und hoher Fachkompetenz ebenfalls ein gutes Einkommen zu erzielen.

Würdest du jungen Menschen den Beruf Tierarzt empfehlen und wenn ja, warum?

Ja! Bei ernsthaftem Interesse an diesem wunderbaren Beruf, sollte man zahlreiche Praktika in verschiedenen Praxen/ Kliniken machen und den Betriebsinhabern Fragen stellen, die sich im Praxisalltag stellen. Jeder sollte sich ein genaues Bild vom Beruf machen, kein geschöntes, dann kann man später nicht enttäuscht werden.