Veterinäramt

Anders als in der kurativen Praxis dreht sich der Arbeitsalltag hier eher selten um die Diagnostik und Behandlung, sondern vor allem um Lebensmittelsicherheit und -hygiene, Tierseuchenüberwachung sowie den Tierschutz. Die Klientel sind nur zum Teil Landwirte und Tierhalter, sondern vielmehr Verbraucher und Behörden. Es gilt, die rechtlichen Vorschriften zu kennen und deren Einhaltung zu überwachen. Die Arbeitstage sind mit risikoorientierten, unangemeldeten Betriebskontrollen, der Beratung angehender Unternehmer, als Behördenvertreter vor Gericht oder Sachverständige bei einer Durchsuchung mit der Polizei sehr abwechslungsreich. Jeder Tag ist eine Mischung aus Außen- und Innendienst. Ein weiterer Vorteil sind die zumeist geregelten Arbeitszeiten und die Möglichkeit der Verbeamtung.

Überblick

Typische Tätigkeiten

  • Tierseuchenbekämpfung
  • Überwachung der Ein- und Ausfuhr von Tieren
  • Lebensmittelüberwachung, Lebensmittelhygiene und gesundheitlicher Verbraucherschutz
  • Schlachttier- und Fleischuntersuchung
  • Überwachung des Tierschutzes/Tierwohl
  • Überwachung von Tierheimen und Tierbeständen
  • Arzneimittelüberwachung

Arbeitgeber

  • Veterinär- und Lebensmittelüberwachung der Kreise und Städte
  • Landes-, und Bundesbehörden
  • Voraussetzung: zusätzliche Prüfung (Kreisexamen) für den tierärztlichen Staatsdienst

Die Klientel

  • Behörden
  • Verbraucher/Bürger
  • Tierhalter/Landwirte
  • Hobbyzüchter

Perspektiven

  • Großer Bedarf, besonders an risikoorientierter Überwachung
  • Verbraucher- und Tierschutz und Tierwohl gewinnen immer mehr an Bedeutung
  • Vielseitiges Aufgabenfeld
  • Verbeamtung möglich (sicherer Arbeitsplatz)

Verdienst

  • Einstiegsgehalt ca. 3.000 €, je nach Tarifvertrag/Bundesland

Arbeitszeiten

  • Arbeitszeit von ca. 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr inkl. Mittagspause, Teilzeit und Homeoffice möglich
  • Häufig Gleitzeit
  • Einsatz außerhalb der Kernarbeitszeiten manchmal notwendig
  • Teilnahme an Fort- und  Weiterbildungsveranstaltungen
  • Überstundenausgleich

Interview

Dr. Ute pelz

Fachärztin für Lebensmittelsicherheit und Öffentliches Veterinärwesen im Berlin Bezirk Pankow

Warum bist du Tierärztin geworden? Hast du gleich nach dem Abitur mit dem Studium begonnen?
In meinem ersten Leben war ich Arzthelferin. Mit 29 Jahren beschloss ich eine Veränderung. Damals bin ich tatsächlich ins sogenannte BIZ (Berufsinformationszentrum) gegangen und habe die Anforderungen, Chancen und Möglichkeiten der unterschiedlichen medizinischen Berufe betrachtet. Meine Wahl fiel auf Tiermedizin, da mir dieser Beruf größtmögliche Chancen in sehr großer Aufgabenbreite zu bieten schien. Dies hat sich dann ja auch bewahrheitet.
Wie hast du das Studium in Erinnerung?
Trotz des sehr verschulten Ablaufes mit vielen Pflichtkursen und Prüfungen war es eine unglaublich schöne Zeit, die mir neben viel Wissen auch eine Menge Freunde und Erfahrungen jeglicher Art beschert hat.
Was macht dir an deinem Beruf besonderen Spaß?
Als amtliche Tierärztin in einem Berliner Stadtbezirk ist meine Hauptaufgabe die Lebensmittelüberwachung. Es gilt die rechtlichen Vorschriften zu kennen und deren Einhaltung zu überwachen. Dabei komme ich mit Unternehmern jeglicher Art zusammen – von der kleinen Café- Betreiberin bis hin zum großen Dönerproduzenten. Großartig ist es, wenn zum Beispiel gemeinsam erarbeitete Betriebskonzepte funktionieren.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Meine Tage sind sehr abwechslungsreich. Mal führe ich risikoorientierte, unangemeldete Betriebskontrollen durch, mal berate ich angehende Unternehmer, mal bin ich als Behördenvertreter bei Gericht, mal als Sachverständige bei einer Durchsuchung mit der Polizei. Die meisten Tage sind Mischungen aus Außendienst und klassischer Bürotätigkeit.
Hast du genügend Freizeit für Familie, Freunde, Hobby und Sport?
Wer hat schon wirklich genug Freizeit? Aber ich kann zumindest auf einen eher geregelten Tag zurückblicken. Zwar müssen auch wir mal zu Spät- oder Nachtkontrollen oder zu Sondereinsätzen im Tierseuchenfall, am Ende bleibt aber schon Zeit für die schönen Dinge im Leben.
Was ist das besondere an deiner Arbeit?
Jeder Tag ist anders und das ist eine Herausforderung, nicht zu Letzt, da ich es vorwiegend mit Laien und ihren Fragen zu tun habe. Da geht es beispielsweise um Fragen zur Tiergesundheit oder zu Themen in den Medien (Vogelgrippe, BSE, Tollwut) und die Kontrolle von Lebensmitteln. Man weiß morgens nie so genau, was auf einen zukommt.
Was fällt dir in Bezug auf deine Arbeit eher schwer oder liegt dir nicht so?
Man macht sich nicht immer beliebt bei den Betriebskontrollen. Die meisten sehen mich am liebsten von hinten oder gar nicht. Manchmal muss ich Geldbußen verhängen oder gar Betriebe schließen und damit Existenzen gefährden. Dann und wann muss ich schlimme Tierhaltungen auflösen. Auch wenn es gerechtfertigt ist: Ab und an wird einem schon mal schwer ums Herz.
Wie sieht es mit deinem Verdienst aus? Bist du zufrieden?
Also am Ende des Geldes ist meistens noch etwas Monat übrig, aber ich komme zurecht. Spaß beiseite: man kann von dem Gehalt gut leben.
Würdest du jungen Menschen den Beruf Tierarzt empfehlen und wenn ja, warum?
Für jemand mit Leidenschaft für medizinische Zusammenhänge ist die Tiermedizin genau das Richtige. Nach dem Studium gibt es unglaublich viele Betätigungsfelder. Neben dem klassischen praktischen Tierarzt gibt es Möglichkeiten in der Pharmazie, der Futtermittelindustrie, der amtlichen Überwachung, dem Tierschutz und und und. Ich bereue meinen Schritt in die Tiermedizin keine Sekunde.
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Auch wenn Du dich nach dem Studium für eine Richtung entscheidest, bleibt dein Berufsalltag bunt, abwechslungsreich und immer bedeutsam.

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